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Brief des Vorstandsvorsitzenden

Martin Blessing Vorstandsvorsitzender

Anrede

das Geschäftsjahr 2010 war für die Commerzbank in einem nach wie vor herausfordernden Umfeld ein erfolgreiches Jahr. Die neue Commerzbank nimmt immer deutlichere Konturen an. So ist die Integration in den ausländischen Standorten de facto abgeschlossen und im Inland haben wir wichtige Zwischenziele erreicht. Trotz dieser enormen Integrationsanstrengungen haben wir im Jahr 2010 bei den Geschäftsergebnissen große Fortschritte gemacht. Im Konzern sind wir in die Gewinnzone zurückgekehrt; die Wende gelang uns damit ein Jahr früher als ursprünglich geplant.

Bei unserem Strategieprogramm „Roadmap 2012“ kommen wir weiter gut voran. Nach wenig mehr als zwei Jahren haben wir mit der Integration der Dresdner Bank in die Commerzbank eines der größten Projekte in der deutschen Bankengeschichte in weiten Teilen abgeschlossen.

Im Sommer haben wir die neue Organisations- und Filialstruktur vollständig umgesetzt und der gemeinsame Markenauftritt von Commerzbank- und Dresdner-Bank-Filialen startete – über 1 200 Filialen erhielten ein gemeinsames Markenzeichen. Die Umstellung unserer Filialen auf den gemeinsamen Markenauftritt bietet den Kunden ein größeres Filialnetz, dessen Vorteile sie gerne nutzen. Die Commerzbank spart durch die Integration Geld. Im Geschäftsjahr 2010 konnten wir Kostensynergien in Höhe von 1,1 Mrd Euro erzielen, das ist bereits fast die Hälfte des geplanten Kosteneinsparpotenzials von 2,4 Mrd Euro jährlich.

Sie sehen bereits hier, dass unsere Mitarbeiter wieder ein ausgesprochen arbeitsreiches Jahr hinter sich haben. Aus aktuellen Befragungen wissen wir außerdem, dass unsere Mitarbeiter weiter zu einem Team zusammenwachsen und sich in hohem Maße für die Integration engagieren. Dafür möchte ich mich, auch im Namen meiner Vorstandskollegen, bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich bedanken!

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, im Jahr 2010 hat sich die makroökonomische Lage verbessert. Allerdings wurde deutlich, dass die Krise trotz erkennbarer Erholungstendenzen noch nicht vorbei ist und sich auch die Commerzbank diesem äußerst herausfordernden Umfeld nicht entziehen konnte. Dennoch belief sich das Konzernergebnis im Jahr 2010 auf 1,4 Mrd Euro und wir haben es geschafft, in allen vier Quartalen ein positives Ergebnis zu erzielen. Das zeigt, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden und schon ein beachtliches Stück Wegstrecke hinter uns gelassen haben. Die Bruttoerträge im Konzern konnten wir trotz unserer Integrationsanstrengungen um über 16% auf 12,7 Mrd Euro steigern. Gleichzeitig verringerte sich die Risikovorsorge – insbesondere in der Kernbank – deutlich um über 40%.

Die Verwaltungsaufwendungen nahmen im Berichtsjahr lediglich um 2% ab, da erzielte Synergien zum Teil durch integrationsbedingte Kosten überlagert wurden. Insgesamt erzielten wir ein Operatives Ergebnis von 1,4 Mrd Euro; dies sind 3,7 Mrd Euro mehr als im Vorjahr.

Obwohl das Konzernergebnis nach IFRS deutlich in die Gewinnzone drehte, war für das HGB-Ergebnis der Commerzbank Aktiengesellschaft im Berichtsjahr 2010 ein Verlust auszuweisen. Der Hauptgrund dafür ist, dass wir uns gemäß den Auflagen der Europäischen Union bis Ende 2014 von der Eurohypo trennen müssen. Um die Eurohypo darauf vorzubereiten, haben wir Bestände und Risiken reduziert. Durch die Reduzierung des Neugeschäfts und die anhaltend hohe Risikovorsorge ist der Barwert der künftigen Erträge gesunken, mit der Folge hoher Abschreibungen auf den Buchwert der Eurohypo im Einzelabschluss der Commerzbank Aktiengesellschaft. Aufgrund dieser Verlustsituation können wir für das Berichtsjahr 2010 keine Dividende zahlen und auch die Stillen Einlagen des SoFFin und andere Kapitalinstrumente nicht bedienen.

Unsere Liquiditätsausstattung ist komfortabel und die Kernkapitalquote erreicht per Jahresende 2010 respektable 11,9%. Auch unsere Core-Tier-1-Quote liegt mit 10% deutlich über unserem Zielkorridor. Durch unser aktives Management haben wir unsere Risikoaktiva bereits konsequent und nachhaltig verringert. Dies gilt besonders für die Segmente Asset Based Finance und Portfolio Restructuring Unit sowie für den Verkauf von nicht strategischen Beteiligungen.

Mitte Januar 2011 hat die Commerzbank einen wichtigen Schritt zur Optimierung ihrer Kapitalstruktur unternommen: Wir haben im Rahmen unseres Liability Managements eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage durchgeführt und hybride Eigenmittelinstrumente in Aktien getauscht. Dabei wurden rund 118,1 Millionen Aktien bei institutionellen Investoren platziert. Dies entspricht 10% minus eine Aktie des bisherigen Grundkapitals. Der SoFFin hat seine Beteiligungsquote an der Commerzbank (25% plus eine Aktie) nach der Transaktion aufrechterhalten. Die Transaktion hat keine spürbaren Auswirkungen auf die Kernkapitalquote der Bank, führt aber zu einer Erhöhung der Core-Tier-1-Quote. Die starke Nachfrage nach unseren Aktien von institutionellen Investoren hat gezeigt, dass nationale und internationale Anleger bereit sind, in unsere Aktie zu investieren.

»Nach wenig mehr als zwei Jahren haben wir mit der Integration der Dresdner Bank in die Commerzbank eines der größten Projekte in der deutschen Bankengeschichte in weiten Teilen abgeschlossen.« Martin Blessing

Unser Anspruch ist es, die Stillen Einlagen des Bundes so schnell wie möglich abzulösen. Neben Optionen, die uns unsere hohe Eigenkapitalquote, die nachhaltige Reduzierung der risikogewichteten Aktiva und die früher als erwartet erreichte Rückkehr in die Gewinnzone ermöglichen, können wir in aufnahmebereiten Märkten auch Eigenkapital aufnehmen. Mit dem Finanzmarkt-
stabilisierungsbeschleunigungsgesetz hat die Bundesregierung zugleich mehr Flexibilität geschaffen, die wir zur Rückführung von SoFFin-Mitteln nutzen können. Bereits in diesem Jahr wollen wir einen signifikanten Betrag in Milliardenhöhe zurückgeben – unter Beibehaltung einer guten Eigenkapitalquote.

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, die Commerzbank ist mit Rückenwind ins neue Jahr gestartet, der Januar ist sehr gut gelaufen. Dennoch erwarten wir auch für das Geschäftsjahr 2011 herausfordernde Märkte. Während Deutschland weiterhin von seiner Exportstärke profitieren sollte, dürfte das Wachstum in anderen Ländern des Euroraums durch weiterhin problematische Immobilienmärkte und die Staatsschuldenkrise eingeschränkt bleiben. Unabhängig davon werden wir die Integration weiter vorantreiben. Wir haben nur noch wenige Schritte zu gehen und sehen bereits die Ziellinie. Im Fokus wird im zweiten Quartal des laufenden Jahres zunächst die Migration der Kunden- und Produktdaten stehen; seit August 2010 sind die hierfür erforderlichen Anpassungen unserer IT-Systeme im Einsatz. Als letzter Schritt der Integration werden ab Mitte 2011 dann knapp 400 Filialpärchen zusammengelegt. Bis zum Jahr 2012 soll dieser Prozess und damit die Integration abgeschlossen sein. Die Integration wird im Jahr 2011 mit Aufwendungen von rund 200 Mio Euro zu Buche schlagen, im Berichtsjahr waren es noch über 400 Mio Euro. Dafür erwarten wir, im laufenden Jahr mit 1,5 Mrd Euro um 300 Mio Euro höhere Kostensynergien zu realisieren.

Auch operativ werden wir uns in allen Bereichen verbessern. In der Mittelstandsbank planen wir weiteres Wachstum auf Basis unserer starken Marktpositionierung, um von der erfreulichen konjunkturellen Situation in Deutschland zu profitieren. Im Segment Corporates & Markets wollen wir das Ergebnis nachhaltig sichern. Im Segment Central & Eastern Europe wird insbesondere die BRE Bank ihre Wachstumsstrategie weiter umsetzen. Unser besonderes Augenmerk legen wir im Jahr 2011 auf das Privatkundengeschäft.

Durch den Abbau der nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten in den Segmenten Asset Based Finance und Portfolio Restructuring Unit planen wir weiterhin, unsere Risiken zu reduzieren. Im Segment Asset Based Finance werden wir den Volumenabbau über die nächsten Jahre forcieren. Im Bereich Public Finance wird kein Neugeschäft mehr getätigt und das bestehende Volumen über die Zeit abgebaut. Auch im Bereich Commercial Real Estate werden wir unsere Aktivitäten – bei lediglich selektivem Neugeschäft in den Kernmärkten – in den Folgejahren weiter ganz erheblich reduzieren.

Für die Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns erwarten wir für das Jahr 2011 neben dem Rückgang der Verwaltungskosten, dass unsere Risikovorsorge unterhalb des Wertes im Berichtsjahr 2010 bleiben wird. Das Operative Ergebnis im Konzern sollte deutlich über dem Niveau des Jahres 2010 liegen. Erzielt die Bank im Geschäftsjahr 2011 ein positives Ergebnis im Einzelabschluss, werden wir auch die Stillen Einlagen des SoFFin bedienen. Nach unseren derzeitigen Erwartungen ist das der Fall. Ab 2012 planen wir dann für den Konzern ein Operatives Ergebnis vor Regulierungseffekten von mehr als 4 Mrd Euro pro Jahr. Damit gelten die Ziele der „Roadmap 2012“ in einem unveränderten regulatorischen Umfeld und unter stabilen Marktbedingungen weiterhin.

Zu unserer Hauptversammlung im Mai 2011 in der Jahrhunderthalle in Frankfurt lade ich Sie auch in diesem Jahr ein und freue mich auf Ihr Kommen.

Unterschrift Martin Blessing - Vorstandsvorsitzender

Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender

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